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Bücher von Leah Levine
Bücher von Bertram Kircher
Peking wie es einmal warFotografien von Nora Kircher 1988 / 1989Gesichter sind wie Bilder. Man kann in ihnen lesen, was ein Mensch erlebt hat oder auch nicht. Ein Gesicht kann also - wie ein Buch - spannend sein oder nichtssagend. Ich bin während meiner fast acht Jahre in China nur ganz selten auf langweilige Gesichter ge- stoßen . Gerade chinesische Alltagsgesichter offenbaren jenen spezifischen Volkscharakter, der sich in mehreren tausend Jahren kontinuierlicher Kultur herausgebildet hat. Dazu gehören nach meiner Einschätzung folgende elementare Eigenschaften: Ruhe, Verschmitztheit, Skepsis. Ruhe: Sie ist das Ergebnis des Überlebenskampfes, dem die Chinesen seit ewigen Zeiten ausgesetzt sind. Wer Naturkatastrophen oder kaiserlichen Despoten, Kulturrevolutionären oder kommunistischen Bürokraten trotzen mußte, den kann nicht mehr viel erschüttern, der ruht in sich und ist in der Lage, die kleinen Freuden, die selbst ein karges Leben läßt, in stiller Vergnüglichkeit zu genießen. Verschmitztheit: Sie beruht auf der Kunst, sich mit List den alltäglichen Zwängen zu entziehen, die der Konfuzianismus als kulturelles Erbe und der Kommunismus als politische Gegenwart den Chinesen aufbürdet. Zwängt die konfuzianische Sitten- und Morallehre die Bürger in ein enges Korsett aus Konventionen und Ritualen, so begegnet ihnen der Kommunismus allen ökonomischen Reformen zum Trotz mit Dogmen und häufig genug auch Terror. Die Schwejksche Subversion, mit der sich die Chinesen dem Druck entziehen und mit der sie vor den Autoritäten wegtauchen, ist aus meiner Sicht die sympathischste Eigenschaft dieses Volkes. Skepsis: Sie fußt auf der traditionellen Scheu der Chinesen vor allem Fremden. Das Land der Mitte ist auch ein Land der Mauern. Die Große Mauer, 6000 Kilometer lang, sollte die Nation vor den ausländischen „Barbaren“ schützen. Mit kleinen Mauern schotten die Menschen sich ab gegen die Nachbarn. Auch hier liefert die konfuzianische Lehre die Er- klärung: Der Staat und die Familie sind die wichtigsten in sich geschlossenen Einheiten in dieser noch immer bäuerlichen Gesellschaft, die sich, wenn überhaupt, erst ganz lang- sam öffnet. Es ist ein Verdienst dieses Bandes, daß er ein realistisches China-Bild zeichnet, das Land und seine Menschen nicht verklärt und romantisiert. So wie die Menschen hier dargestellt werden, habe auch ich sie während meiner Korrespondenten-Jahre in Peking erlebt. Jürgen Bertram, ARD-Korrespondent 1985 –1992
Dieses Buch zeigt keine „spektakulären“ Fotos, keine Sehenswürdigkeiten chinesischer oder asiatischer Kunst. Es zeigt uns in einer beispiellosen Offenheit, ungeschönt nüchtern, aber zutiefst eindrucksvoll den Alltag der chinesischen Hauptstadt – und gerade darum ist dieses Buch „spektakulär“. Es ist eine bemerkenswerte Dokumentation über einen Kulturkreis, der sehr weit weg von uns ist, andererseits aber vergleichsweise in seiner Menschlichkeit, doch wieder nah und nachvollztiehbar. Jürgen Theis, Direktor der Bundesfachschule für Fotografie i.R.
Tibet wie es einmal warFotografien von Nora Kircher 1993
Freundlich, kindlich, ungeschützt offen, so habe ich die Tibeter bei meinen Reisen seit 1985 und seit fünf Jahren als ZDF-Korrespondentin in China immer wieder erlebt: Die Nomaden in der Einsamkeit der Hochebenen, die Mönche in Labrang, Shigatse oder Lhasa, die Händler in Gyantse, die Bettler am Jokhang und am Potala. Man kann nicht anders, als Tibeter, zumindest meistens, sofort zu mögen. Annehmen, wohin das Rad des Lebens sie führt, dabei selbst immer die Gebetsmühle drehend, akzeptieren, daß alles in der Hand der Götter ruht, das mag man aus den Gesichtern der Tibeter lesen. Die Sanftmütigkeit des Buddhismus scheint dieses lei- densfähige Volk durchdrungen zu haben. Und gleichzeitig ist da auch immer wieder der Stolz zu spüren, die Entschlossenheit, die tibetische Identität zu bewahren. Es ist schwierig, Tibetern in die Augen zu schauen, ohne dabei an die Geschichte ihres Kampfes um ihre Religion, ihre politische Eigenständigkeit, ihre Identität zu denken. Jeden will man nach den persönlichen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte fragen. Viele Antworten meint man zu kennen. Daß sie, die Tibeter, über Jahrhunderte abgeschieden auf dem Dach der Welt ihre Kultur bewahrt haben, das fasziniert uns, die wir im Westen unsere Wurzeln kaum noch kennen. Tibet beflügelt die Phantasie und die Sehnsucht. Aber diese Gesichter zeigen uns nicht nur den Stolz, die Erhabenheit und die Sanftmut, sie spiegeln auch die andere Wirklichkeit Tibets: Die Armut der Menschen und die Rückständigkeit des Landes, den religiösen Eifer und - dennoch - die Hoffnungs-losigkeit. Armut und Rückständigkeit aber sind keine Werte, auch dann nicht, wenn sie mit Würde getragen werden. Auch diese Wirklichkeit gehört zum Leben der Tibeter, zum Bild Tibets, das leider oft einseitig und verkürzt dargestellt und damit verzeichnet wird. Dies nicht zu tun, ist ein Verdienst dieses Buches. In den Bildern Nora Kirchers werden Menschen aus Tibet nicht religiös verklärt und nicht politisch mißbraucht, sondern gezeigt, so wie sie sind, mit ihrem Stolz, ihrer Anmut, ihrer fast kindlich naiven Gelassenheit, und sie werden gezeigt, ohne ihre Armseligkeit zu romantisieren. Gisela Mahlmann, ZDF-Korrespondentin 1988-1993 Die Dominikanische Republik wie sie einmal warFotografien von Nora Kircher 1992 Lange Zeit war die Dominikanische Republik im Bewußtsein der Europäer nichts anderes als ein "Operettenstaat" am anderen Ende der Welt. Erst die Fünfhundert-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus im Jahre 1992 rückte die "Trauminsel" Hispaniola - bestehend aus den beiden Entwicklungsländern Haiti und Dominikanische Republik - wieder in unser Blickfeld. War es doch genau diese Insel, die Kolumbus im Jahre 1492 mit den euphorischen Worten: „...das schönste Land, das menschliche Augen jemals gesehen haben", betrat. Jahrhunderte später dann die nächste Invasion: europäische Touristenströme, die Sonne und Sand, Palmen und blaue Karibik, Rum und exotische Menschen sehen, er- leben und genießen wollen. All das ist die Dominikanische Republik heute - und natürlich ist sie das alles auch nicht. Im Herbst 1992 erhielt die Fotografin Nora Kircher eine Einladung zu einer Entwicklungshilfe-Konferenz in Rio Limpio, einem Dorf in den dominikanischen Bergen nahe der haitianischen Grenze. Hier arbeitete seit Jahren die schwedische "Arbeitsgruppe für ländliche Entwicklung" (der Anthroposophischen Gesellschaft Schwedens) und versuchte, zusammen mit der einheimischen Bevölkerung, das durch Brandrodung und Raubbau verwüstete Land mit Hilfe der biologisch-dynamischen Anbauweise zu erschließen und damit den Lebensraum Wald, die Landwirtschaft und das soziale Leben in den dortigen Bergen und Tälern neu zu beleben. Am Ende der Konferenz in diesem kleinen dominikanischen Dorf brach Nora Kircher zu einer mehrwöchigen Reise kreuz und quer über die Insel auf, um die wahre und echte Dominikanische Republik aufzuspüren und zu fotografieren. Eine solche Reise durchs Land wird zum eindrucksvollen Erlebnis, welches nur wenigen Touristen vergönnt ist. Die Bevölkerung wächst rasch, und mehr als die Hälfte aller Einwohner ist heute unter 15 Jahren. Überall begegnet man Kindern - Kindern in Schuluniformen, als Schuhputzer, singend und spielend auf Gassen und Hinterhöfen oder an den heute weltberühmten Badestränden. Trotz bedrückender Armut lebt aber bei allen Dominikanern - ob klein oder groß - eine menschliche Wärme und Herzlichkeit, von der jeder Besucher tief berührt wird. Die Tatsache, daß die dominikanischen Menschen so offen und leicht zugänglich sind, erleichterten die Arbeit der Fotografin, und es gelang ihr, das "wirkliche Leben" einzufangen. Bertram Kircher, Reiseschriftsteller 1992
Immer begegnet uns im Blick der Dominikaner etwas vom ewig Göttlichen im Menschen. Da lebt eine milde, fast kindliche Zuversicht - und es lebt die Hoffnung. Schaffender Initiative kann durch die Entfaltung dieser menschlichen Eigenschaften eine kraftvolle Gestaltung zuteil werden. Nora Kircher hat auf ihren Bildern etwas von der Seele dieses Volkes eingefangen. Man kann die Bilder „lesen“ wie Erzählungen, die einerseits etwas ahnen lassen von dem UniverseIlen, welches diese Menschen zu unseren Mitmenschen macht; aber auch von dem höchst Individuellen, daß man bei ihnen findet.1/ Hakan Blomberg,der Leiter der schwedischen Arbeitsgruppe für ländliche Entwicklung |